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Psychologische Beratung
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Psychologische Beratung (amerik.-engl. Counseling, brit.-engl. Counselling) bietet Unterstützung von Menschen und Systemen in verschiedensten Situationen. Sie ist ein wichtiger Teilbereich der Psychologie, der sich mit der wissenschaftlich-fundierten Entwicklung, Durchführung und Evaluation von Beratungsmaßnahmen befasst, die aber ggf. auch durch andere psychologische Interventionen ergänzt werden (z. B. durch psychologische Trainingsmaßnahmen). Zentral ist die Rolle der psychologischen Diagnostik.
Themenbereiche psychologische Beratung
Psychologische Berater sind u. a. in folgenden Themenbereichen tätig: Lebensberatung, Berufs- und Studienberatung, Bildungsberatung, Ehe- und Partnerschaftsberatung, Erziehungsberatung, Familienberatung, Jugendberatung und Drogenberatung, genetische Beratung, Gesundheitsberatung, Beratung zur Bewältigung spezieller Erkrankungen (z. B. Herzleiden, Krebs) oder auch von Schmerzpatienten, Dialysepatienten, u. Ä., sowie Menschen mit Behinderungen, aber auch Personal- und Führungskräfteberatung, Coaching, Supervision, Konfliktberatung, Entscheidungsberatung, Konfliktmanagement und Mediation, Mobbingberatung, Opferberatung, sowie allgemein Krisenintervention usw. und natürlich im Bedarfsfall auch eine Beratung in Bezug auf Möglichkeiten und Planung einer Psychotherapie.
Charakteristik der psychologischen Beratung
Psychologische Beratung ist im Wesentlichen eine Lösungen suchende, klärende und unterstützende Interventionsform, die sich vorwiegend sprachlicher Ausdrucksmittel (Interaktion und Kooperation) bedient; im Zentrum steht also das psychologische Gespräch. Dessen Ausgestaltung (z. B. eher lösungsorientiert oder eher klärend) hängt vom Bedarf des / der Beratung Suchenden und von der Situation ab. Zentral ist aber eine Grundhaltung des Beraters des sich aus Forschungen weiterentwickelten klientenzentrierten Ansatzes, sowie aus seit den 1950er Jahren wissenschaftlich weiterentwickelten Gesprächsmethoden, die z. T. schon in der Antike Anwendung fanden, insbesondere der Mäeutik. Auf dieser allgemeinen Grundlage werden dann die durch Diagnostik ermittelten speziellen Beratungsmethoden eingesetzt. Zumindest in größeren Institutionen werden sowohl diagnostische Verfahren wie auch die Beratung durch Evaluation und Begleitforschung verbessert und ausdifferenziert, teilweise werden auch neue Verfahren entwickelt und evaluiert.
Beratungsanliegen
Mögliche Beratungsziele sind Vorbeugung, Lösung, Klärung oder Linderung von Lebensproblemen, Krisen aller Art und von vielfältigen inneren oder äußeren Konflikten, z. B. von Entscheidungsschwierigkeiten, von als ethisch oder moralisch unklar empfundenen Problemlagen, von Fragen zur Lebensänderung, solchen zur allgemeinen, beruflichen oder familiären Neuorientierung, bei Schwierigkeiten mit körperlichen Leiden und Erkrankungen, dem Altern, einer Behinderung, Fragen zu Bildungsmöglichkeiten und -eignungen, zur Karriereplanung, bei allgemeinen beruflichen Fragen, bei Problemen am oder mit dem Arbeitsplatz, zur Verbesserung des Arbeitens und Lernens, zur Verbesserung der Kommunikation, zur Optimierung des Führungsverhaltens und vieles mehr.
Unterschiedlichste Gründe motivieren Personen fachliche Hilfe in Form einer Psychologischen Beratung in Anspruch zu nehmen. Anstoß ist meistens ein aktuelles (Lebens-)problem. Dieses abgegrenzte Problem, dieser Konflikt wird subjektiv als schwer lösbar empfunden. Der Ratsuchende fühlt sich möglicherweise vor einer unüberwindbaren Hürde, sieht sich in einer Sackgasse oder fühlt sich überfordert oder orientierungslos. Dennoch fühlt er sich nicht als Kranker, vielmehr erachtet er sich als beratungsbedürftig, wobei das durch die Situation verursachte Leidensempfinden aber durchaus so erheblich sein kann, dass es individuellen Krankheitswert erreicht, auch ohne dass eine psychische Störung bzw. ohne dass die Symptome (nach den klinischen Diagnosesystemen) vorliegen. Die Person beurteilt die momentane (Lebens-)schwierigkeit durchaus als veränder- und lösbar. Auch der Psychologe wird diese Person nicht als krank bezeichnen, noch wird er die momentane Lebensschwierigkeit auf eine psychische Störung zurückführen; generell unterbleiben pathologische Unterstellungen.
Generelles, übergeordnetes Ziel der Psychologischen Beratung ist die Verbesserung der Lebensqualität. Sie wird in bestimmten Konstellationen mulitdiziplinär durch andere professionelle und semi-professionelle, v.a. pädagogische-/sozialpädagogische/-arbeiterische Beratung und Seelsorge, zunehmend auch durch philosophische Berater, psychologische Telefonberater sowie durch semi-professionelle lokale Berater, die ehrenamtliche Telefonseelsorge oder Einrichtungen der Selbsthilfe, insbesondere Selbsthilfegruppen, ergänzt. Zwar kommt es in einigen wenigen Bereichen zu Überschneidungen, doch können nicht-psychologische Berater und Selbsthilfeeinrichtungen wegen ihrer in der Regel begrenzten psychologischen Fachkompetenz grundsätzlich nicht professionelle psychologische Beratung ersetzen!
Zunehmend wird die psychologische Beratung auch zur Klärung und Aufarbeitung existenzieller (Sinn-)Fragen aufgesucht. In diesem Zusammenhang kann inzwischen u. a. auch auf fundierte Forschungsergebnisse zur Psychologie des Glücks zurückgegriffen werden.
Beratungsvorgang
Der Beratungsvorgang ist kooperativ; Psychologe und Beratung Suchender sind gleichwertige Persönlichkeiten und sie suchen gemeinsam nach Klärung und nach Lösungsmöglichkeiten. Psychologische Beratung ersetzt weder eine ärztliche Behandlung noch psychotherapeutisch indizierte Hilfeleistung. Sie reiht sich als mildeste, niedrigschwellige Form in den Bereich der psychosozialen Versorgung ein, greift aber dafür auch wesentlich breiter. Weiteres Merkmal ist die ambulante Durchführbarkeit wie etwa in örtlichen Beratungsstellen oder in psychologischen Praxen. Psychologische Telefonberatung ermöglicht indessen eine anonyme Beratung, wodurch eine beim Ratsuchenden etwa vorhandene Hemmschwelle verringert wird, sich einer fremden Person gegenüber zu öffnen.
Eine förderliche Psychologische Beratung führt den unterbrochenen Entwicklungsprozess im Sinne des lebenslangen Lernens und einer guten Lebenskunst fort. Der prophylaktische Wert ist erheblich. Denn aus empirischen Studien ist gesichert, dass solche Probleme, Krisen usw. die Entstehung von psychischen Störungen und körperlichen Erkrankungen begünstigen (vgl. z. B. Forschungen zum Diathese-Stress-Modell), vielfach kann eine solche nicht zeitnah bewältigte Krise also in eine schwere Erkrankung münden.